Waid / Färberblau / Erfurtblau

Waid, oder Färberwaid war die wichtigste Färberpflanze des Mittelalters
Insatis tinctoria L.
Im englischen auch Indigo genannt
Indigo tinctoria L.

Uvatum – ist auch eine Bezeichnung für Waid

Die Pflanze

Die Pflanze hat gelbe Blüten, Stiel/Stängel und Blätter. In großen Mengen auf einem Feld angebaut, erinnert sie an blühende Raps- oder Senffelder.
Von der zweijährigen Pflanze wurden und werden die Blätter zur Gewinnung des blauen Färberstoffes verwendet. Die Aussaat ist Mitte März und die Ernte beginnt im Juni. In den südlichen Ländern ist die Aussaat im Herbst. Es konnte bis zu neun Mal geerntet werden. Nördlich der Alpen, wie hier in Deutschland, war die Ernte nur drei Mal möglich.

Die etwa 20 cm langen Blätter wurden abgelesen und in Waidmühlen gebracht. Dort wurden sie unter Zugabe von Wasser unter schweren Mühlsteinen zu einem Brei zerquetscht. Dieser Brei wurde in handgroße Kugeln geformt und getrocknet. Diese nannte man Waidkugeln, Kugelwaid, Blaukörner oder Waidballen. Um die Färberfarbe zu erhalten, waren mehrere Stufen der Gärung notwendig. Zum Färben musste eine Gärungsküpe angesetzt werden. Die Waidkugeln wurden auf den Boden ausgebreitet und mit Wasser und Urin eine Gärung in Gang gesetzt, welche sich erwärmte und Wasserdampf und Ammoniak-Gas entwickelte. Diese Masse wurde von Waidbereitern mehrmals gewendet. War die Gärung besonders gut, bildeten sich kleine Röllchen, wenn man das Waid zwischen den Fingern zerrieb.

Nach weiteren 6 -8 Wochen wurde das gesiebte Waid in Fässer gefüllt, gelagert und an die Waidfärber verkauft.

Blau wurden die gefärbten Stoffe oder die Wolle nicht im Färberbad, sondern erst an der Luft. Mit Sauerstoff in Verbindung kommt das typische BLAU der Waidfarbe zum Vorschein. Je öfter man den Vorgang wiederholte, umso intensiver das Blau.

Der blaue Schaum der Gärungsküpe, auch Waidküpe oder Waidblume genannt, wurde abgeschöpft und an die Maler als Blaupigment verkauft.

Geschichtliches zu Waid

Berichten nach wurde Waid bereits zu Cäsars Zeiten angebaut und verwendet.
Als sich das Römische Reich nach England ausbreitete, wurden die Gewänder der Soldaten blau gefärbt, um noch furchterregender auszusehen.

Vom frühen Mittelalter bis zum 19.Jh. wurde Waid in Europa angebaut. Wobei im 17.Jh. bereits der Niedergang des Waidanbaus begann und nicht mehr aufzuhalten war.

Anfang des 14.Jh. gab es große Waidfelder und Plantagen. Es entwickelte sich ein Handwerk und ein Handel, welche unzähligen Gilden hervorbrachte.

Viele Städte erlangten so großen Reichtum. Hier in Thüringen ist der bekannteste Ort ERFURT. Aber auch in Arnstadt, Gotha, Langensalza und Tennstedt wurde Waid angebaut.

In Italien, Spanien, Polen, Böhmen, England und Frankreich blühte der Waidhandel.

Später, nach der Entdeckung Indiens, wurde indisches Indigo importiert.
Alle staatlichen Dekrete und Einfuhrverbote, Todesstrafen – wer mit indischen Indigo handelte, halfen nicht, den Niedergang des Waidanbaus und Waidhandels in Europa zu verhindern.

Indisches Indigo war billiger und hat eine 175-fache höhere Färbekraft als Waid.

Waidblau / Erfurtblau

Bleiben wir in der Landeshauptstadt von Thüringen – ERFURT

Waidblau wird auch heute noch als Erfurtblau bezeichnet.

Auf der weltberühmten Krämerbrücke in Erfurt können sie Waid, den berühmten blauen Farbstoff kaufen. Viele Läden in Erfurt bieten ihnen Erfurtblau – Souvenirs und Alltagsgegenstände an.

Heute gibt es in Erfurt die Galerie Waidspeicher und das Angermuseum, welche an die Zeit des Waidanbaus erinnern.

Wie muss es früher dort gewesen sein, auf dem heuten Anger, damals Waidanger, wo die Waidkugeln vor sich hin goren mit Urin feucht gehalten und stets und ständig gewendet wurden!?
Was für ein Gestank muss das gewesen sein!?
Heute schlendert man die Straßen entlang zum Anger und bewundert die herrlich restaurierten Fassaden der Häuser und Villen, welchen der damalige Reichtum wieder anzusehen ist.

Malen mit Waidblau

Aus dem Blau – Pigment wird mit Ölen – Ölfarbe hergestellt. Um eine blaue Farbe intensiv und lange in ihrer Leuchtkraft zu erhalten, ist es ratsam, Öle zu verwenden, welche nicht gilben.

Waidblau ist eine lasierende Farbe. Ich verwende sie gerne um –Transparenzen- zu malen.

In meinen Gemälden „Das letzte Abendmahl“, „Die Sixtinische Madonna“ und anderen Bildern habe ich diese Farbe großzügig verwendet. Man kann dieses Blau sehr gut mit anderen Pigmenten mischen und erhält so die schönsten Farben mit hoher, langer Leuchtkraft.