Grundlagen der Grundierung

 

Eine Malfreundin beklagt sich immer wieder über das lästige zeitaufwändige Grundieren, aber eine richtige Grundierung von Malträgern ist sehr wichtig, um ein Bild dauerhaft zu erhalten.

Oft entstehen durch falsches Grundieren der Leinwände Risse, sogenannte Schwundrisse oder Altersrisse auf ihren Gemälden.

 

Hätten die alten Meister nicht so großen Wert auf ihr handwerkliches und malerische Wissen gelegt, wären ihre Bilder heute nicht mehr so gut erhalten. Das können wir bei Werken von Rubens, Rembrandt, Vermeer, van Dyck, Dürer, Caravaggio, Tizian, Raffael und vielen anderen bewundern, weil ihre Bilder bei richtiger Malweise und der richtigen Verwendung von guten Material uns nach Jahrhunderten durch ihre Frische und die Leuchtkraft der Farben, sowie den guten Erhaltungszustand in Erstaunen versetzen.

 

Das die Leinwand gleichmäßig gewebt und bespannt sein sollte, habe ich bereits in vorherigen Artikeln erwähnt.
Eine Grundierung sollte immer in 2-7 Schichten aufgetragen werden und zwischendurch mit Schleifpapier angeschliffen werden. Ist die Leinwand getrocknet in kreisenden Bewegungen schleifen, im nassen Zustand grob hin und her.

Sie können zum Grundieren einen breiten Grundierpinsel benutzen, welcher aus Schweineborsten besteht.
Bei großen / sehr großen Leinwänden benutze ich gerne eine kleine Malerrolle aus Schaumstoff. Das ermöglicht ein zügiges Arbeiten, da die Grundierung schnell antrocknet. Wickeln sie die Rolle in Klarsichtfolie ein, so können sie die mit Grundierung vollgesaugte Rolle für das mehrmalige Grundieren verwenden und diese trocknet nicht aus. Wenn man die Rolle danach gründlich ausspült, kann man sie viele Male verwenden. Bitte nur mit klarem Wasser ausspülen, ein Spülmittel ist nicht notwendig.

Schauen sie ihre bemalten Bilder einmal von hinten an. Sehen sie an manchen Stellen wie ihre Ölfarbe durchgenässt ist, dann haben sie ihre Grundierung nicht richtig oder in zu wenigen Schichten aufgetragen. Halten sie die grundierte Leinwand gegen das Licht, darf nur eine ebenmäßige grundierte Fläche zu erkennen sein.
Außerdem verbrauchen sie zu viel Ölfarbe, wenn die Leinwand oder ihr Malträger nicht richtig grundiert wurde und das beeinträchtigt die Haltbarkeit ihres Gemäldes.
Die Grundierung muss sehr dünn aufgetragen werden, zu dick aufgetragen kann es beim Trocknen der Farben ebenfalls zu Rissbildungen kommen.
Beachten sie bitte, was auf den Beipackzettel ihres Malträgers steht. Die meisten Keilrahmen sind 2x vorgrundiert, aber es gibt bereits günstige Basic Keilrahmen (Baumwolle) auf denen eine Universalgrundierung schwach saugend aufgetragen ist. Das ist besser, oder anders ausgedrückt, sie benötigen hier nur zwei bis drei Schichten ihrer Grundierung.
Ich persönlich versuche mit Leinen bespannte Keilrahmen zu verwenden und grundiere gleich mehrere dieser Rahmen.

 

Am Einfachsten ist es, eine fertige Grundierung (sogenanntes GESSO), zu verwenden. Halten sie sich hier aber unbedingt an die Hersteller- Informationen, wie die Grundierung anzuwenden ist. Jeder Hersteller hat andere Rezepturen.
Man kann Kreidegrund, Halbkreidegrund oder Ölgründe selbst herstellen. Es gibt hunderte von Rezepten zur Herstellung und ebenso so viele Zusätze. Kreidegrund wird seit über 1000 Jahren benutzt. Bei Halbkreidegrund wird Leinölfirnis zugemischt und Ölgründe benötigen eine sehr lange Trocknungszeit.

Im Durchschnitt sollte man die einzelnen Schichten der Grundierungen 2 – 3 Stunden trocknen lassen, bevor man die nächste Schicht aufträgt. Bis zum Bemalen ist eine Mindesttrockenzeit von 24 Stunden empfohlen, besser sind 14 Tage. Bitte nicht in der Sonne oder am Ofen/der Heizung trocknen.

Ich weiß aus Erfahrung, dass es in Malkursen nicht möglich ist mehrmals zu grundieren oder die Trocknungszeit einzuhalten. Sprechen sie daher mit ihrem Lehrer/in oder Kursleiter/in, ob diese/r die Leinwände nicht vorher spannen und richtig vorgrundieren kann. Das hat den Vorteil, dass sie gleich mit dem Malunterricht beginnen können. Eine andere Variante ist, sie bringen ihren fertig vorgrundierten Malträger in der Größe des zu malenden Bildes mit.
An den unzähligen Malkursen, an denen ich teilgenommen habe, wurden die Leinwände zuerst gespannt und grundiert. Dann wartet man eine viel zu kurze Trocknungszeit ab und beginnt mit dem Malen des Bildes. Nun ist es meistens mittags oder später. Hat man einen Tageskurs gebucht, bleibt nicht viel Zeit zum Malen und Lernen. Bei Mehrtages- oder Wochenkursen kann man die Zeit einigermaßen ausgleichen.

Unter der Zugabe von Pigmenten oder Farbstoffen können sie die Schichten ihres Malträgers farbig grundieren (tönen). Das hat einen maßgeblichen Einfluss auf den Charakter des Bildes.

  • Weiß
  • Grau
  • Schwarz
  • Grünlich
  • Rötlich

Rubens verwendete zermahlene Zeichenkohle, welche er zügig auf die nasse Leinwand auftrug Das ergab einen streifigen silbergrauen Hintergrund. Seine Bilder haben heute noch nicht an Leuchtkraft verloren. Von den meisten Malern und Künstlern wird heute ebenfalls Graugrund empfohlen.

Da Vinci hingegen experimentierte gerne und viel. Das hatte den Nachteil, dass bereits zu seinen Leibzeiten einige seiner Bilder enorme Schäden aufwiesen. Das berühmteste ist „Das letzte Abendmahl“.

Manche verwenden bei Portraits gerne eine rötliche Ockergrundierung. Aber, das muss jeder für sich individuell herausfinden, mit welcher Farbgrundierung seine Ölfarben bei der eigenen Malmethode die Gemälde abstumpfen oder leuchten lassen.

In Folge von Feuchtigkeit, welche eine Leinwand aufnimmt und abgibt, dehnt oder strafft sie sich und ist somit in ständiger Bewegung und nimmt mit der Zeit Schaden am Gewebe und der Bemalung.
Vermeiden sie bitte unbedingt, die Leinwand ebenfalls auf der Rückseite zu grundieren oder zu ölen. Eventuell können sie Papier oder eine sehr dünne Sperrholzplatte aufnageln, das schützt vor Anstoßungen und Schmutz.

 

Persönlicher Tipp:

Wenn sie ihren Malträger grundiert haben und es erforderlich ist ihr Motiv auf der Leinwand vorzuzeichnen, sollten sie dies präzise tun. Danach verdünnen sie ihre Grundierung / Gesso und tragen diese wässrige Grundierung auf ihre Vorzeichnung auf. Zum Verdünnen nehmen sie bitte destilliertes Wasser, das verhindert eine Schimmelbildung.

Der Vorteil ist, wenn sie Farbe von der Leinwand entfernen müssen, wischen sie ihre Vorzeichnung nicht mit ab.

 

Viel Spaß beim Malen!

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